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Eine Lüge vom EZB-Präsidenten?

Ich habe mir überlegt, ob ich Jean-Claude Trichet als Lügner bezeichnen soll. Dies würde aber bedeuten, dass die Aussage von ihm bewusst gewählt wurde. Sie lautete, gemäss Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 4. März 2011, Seite 11, folgendermassen:

„Preisstabilität ist von grösster Bedeutung für die Ärmsten und Schwächsten der Gesellschaft.“

Dieser Unfug ist natürlich auch von anderen Personen immer wieder zu hören. Wirklich erschüttert hat mich, dass es diesmal der EZB-Präsident war, welcher sich zu dieser Aussage verleiten liess.

Die angesprochenen Ärmsten und Schwächsten der Gesellschaft haben definitionsgemäss weder Geld noch Sachwerte. Inflation ist der Begriff für die Geldentwertung gegenüber Sachwerten. Wenn jemand nun kein Geld hat, trifft ihn die Inflation höchstens indirekt durch  eine mangelnde Anpassung der Unterstützungsleistungen des Staates.

Die finanziell wohlhabende Bevölkerungsschicht ist normalerweise breit diversifiziert in verschiedenen Branchen und Kontinenten sowie mit Sachwerten, welchen die Inflation ebenfalls kaum etwas anhaben kann.

Wirklich betroffen ist der untere Mittelstand, also Angestellte und Arbeiter, welche das ganze Leben arbeiten und hoffen, später einmal eine Rente zu bekommen, welche ihnen einen sorglosen finanziellen Lebensabend erlaubt. Möglicherweise sparen sie sich auch noch etwas vom Mund ab und legen es auf ein Sparkonto, in der Absicht, das Geld später auszugeben.

Dieses Geld, welches auf Renten- und Sparkonten liegt, wird durch die Inflation entwertet. Das heisst, obwohl jedes Jahr ein wenig mehr Geld auf dem Konto liegt, kann man sich jedes Jahr weniger Brot, Honig oder Goldbarren dafür kaufen. Es braucht mehr Geld um die entsprechende Menge an Sachmitteln zu bezahlen.

Für jene, welche Schulden besitzen, heisst Inflation, dass sie in Sachwerten gemessen jedes Jahr weniger bezahlen müssen. Die Staaten haben sich durch die Rettung der Banken respektive des Geldes der finanziell wohlhabenden Bevölkerungsschicht dermassen verschuldet, dass eine hohe Inflation eines der wahrscheinlichen Mittel sein dürfte, welcher sich die Staaten bedienen werden. Und dies weiss Jean-Claude Trichet mit Sicherheit.

Lieber Josef,
ich finde deinen Artikel stark. Kompliment. Das eine ist für Trichet das Erkennen der Realität, das zweite ist das Benennen. Ich stimme mit dir überein, dass er beim ersten Teil sicherlich tiefer in den Abgrund blickt als er uns vermitteln will. Zur Benennung der Realität braucht es Rückgrat, einfacher jedoch ist es den Bürgern Geschichten zu erzählen.

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